Philipp Küng

Guy behind @bitfondue, @sharelephant and @trainshare

Eine Woche mit Jolicloud - Ein Erfahrungsbericht

In der letzten Semesterwoche vor den Studienferien habe ich mich einem radikalen Test unterzogen. Die Idee war eine Woche nur mit Jolicloud OS zu arbeiten (wenigstens auf dem Laptop) um danach objektiv ein Urteil über das Produkt fällen zu können.

Microsoft OneNote und Windows Live Writer vs. OpenOffice.org

Zu allererst mussten natürlich passende Programme gefunden werden wie ich sie in der Windows Welt verwende. Trotz Wine das per Jolicloud problemlos installiert werden konnte brachte ich es nicht fertig Microsoft OneNote oder Windows Live Writer zu installieren, wäre wohl auch zu einfach gewesen ;-). Das Problem hätte mit einer virtuellen Windows Machine gelöst werden können. Jedoch virtuelle Maschine auf Netbook, keine besonders gute Idee! Daher musste ich wohl oder übel darauf verzichten.

Doch zum Glück gab es da noch Evernote, das sogar auch per Jolicloud installiert werden konnte. Naiv installierte ich es mit einem klick auf das schöne Evernote Icon, doch musste danach feststellen das dies lediglich ein Bookmark für Firefox war das auf Evernote.com verwies. Das ganze wäre nicht weiter schlimm, könnte ich ein Mobiles Internet Abo mein eigen nennen, ohne ist es dann aber einfach nur nutzlos. Evernote aufgeben stand noch nicht zur Debatte, so versuchte ich es mit der Evernote Beta Installation 3.5 unter Wine. Die Beta benötigte leider das .NET Framework 3.5 SP1 woran dann auch dieser Versuch scheiterte. Glücklicherweise funktionierte dann die letzte Variante, nämlich die finale 3.1 Version für Windows unter Wine. Zum schreiben genügt Evernote 3.1 gerade, doch brauchte es Aufgrund der Emulation viel mehr Batterie, hat komische PNG Fehler wie in IE6 und ist auch nicht sonderlich schnell. Daher entschied ich mich nach noch einer anderen Alternative zu suchen.

OpenOffice.org im Zusammenhang mit Dropbox war die nächstliegende und vermutlich beste Wahl. Die 1-Klick installation per Jolicloud funktionierte Problemlos und auch Dropbox lies sich ohne murren einrichten.

Nebenbei auch das Team von Jolicloud findet diese Lösung genial, sodass sie sie ausbauen wollen wie, im Interview mit Techcrunch Michael Arrington, verkündet wurde (Video unten).



Gute Performance

Bezüglich der Geschwindigkeit kann ich nur bedingt Auskunft geben, da Jolicloud auf einem 16GB USB Stick installiert wurde und nicht wie normalerweise auf der internen Festplatte. Auch die Hardware ein HP 2710P (obwohl schon 1.5 Jahre alt) liegt in der Leistungsklasse einiges höher als ein Durchschnitts-Netbook.

Die Startzeiten bei meiner Konstellation ist bei ca. 40 Sekunden verglichen mit dem Windows 7 das auf der internen Festplatte installiert ist und ca. 50 Sekunden benötigt. Jolicloud muss glücklicherweise nach dem hochfahren nicht mehr unnötig Programme oder deren Teile nachladen, sodass angeklickte Programme starten wie wenn der Computer schon einige Zeit gelaufen wäre. (Was ja bei Windows nicht immer der Fall ist ;-)
Das allerdings auch Jolicloud nicht perfekt ist zeigte sich, als ich den Standby oder Ruhezustand Betrieb wechseln wollte. Die Abschaltphase dauerte ungefähr so lange wie wenn man den Computer ganz herunterfahren wollte. Der spätere Warm-Start benötigte danach ungefähr so lange wie wenn man den Computer kalt neustartete. Somit verstehe ich nun auch endlich warum die meisten Mitstudenten die Linux verwenden ihre Laptops immer herunterfahren.

Doppelte Anmeldungen sind einfach nur nervig (und unnötig)

Nachdem man das eine Passwort zum starten der Machine verwendet hat, wird beim starten der Jolicloud Anwendung wiederum nach einem anderen Passwort gefragt. Das ganze ist völlig verständlich, da die Jolicloud Anwendung eine Webseite ist die im modifizierten Firefox geöffnet wird. Allerdings wiederspricht das meinem Verständnis von Cloud OS massiv. Wenn die Jolicloud Entwickler schon den Firefox modifizieren sollten sie sicherlich auch in der Lage sein diesen Prozess zu vereinfachen. Oder worin sollte sonst der Unterschied zwischen einem normalen Linux und dem Jolicloud bestehen?

Worin besteht nun der Mehrwert von Jolicloud (PreBeta) gegenüber einer ‚normalen‘ Linux Distribution?

Dies habe ich mich die ganze Woche ohne Ergebnis gefragt. Bin jedoch offen für Vorschläge.

Mein Fazit

In dieser Woche wurde mir bewusst, dass ich trotz der Abhängigkeit vom Internet nicht alles nur per Internet erledigen kann resp. will. Gerade Backup Katastrophen in der jüngsten Vergangenheit sollten uns doch darauf hinweisen, dass es eine Firma relativ wenig stört wenn Benutzerdaten verloren gehen, dies andererseits für Benutzer weniger der Fall sein wird.

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